Cuxhaven.Der Dresdner Maler und Glaskünstler Wolfgang Korn befasst sich seit 35 Jahren mit der alten Technik der Monotypie. Mit dem Ausstellungsthema „Architekturportraits entlang der Elbe“ war Korn in den vergangenen Jahren schon in mehreren norddeutschen Städten zu sehen, so in Hamburg, Reinbek (Schloss), Stade (Schwedenspeichermuseum), Lüneburg (Fürstentummuseum) oder im Künstlerhaus Lauenburg. Markante Gebäude, aber nicht nur die bekannten einer Stadt portraitiert er so, dass sie eine beinahe plastische Wirkung bekommen. Dabei geht es ihm nicht so sehr um das Abbild, sondern um das Erfassen von Wesentlichem, von so etwas wie dem Charakter, den eine Architektur in sich trägt.
Unter seinen neuen Arbeiten sind auch Portraits aus Hamburg und dem Bereich Niederelbe (Stade, Otterndorf). Mehrere Motive aus Cuxhaven, darunter ein Portrait des Schlosses Ritzebüttel, zeigt die Ausstellung, die vom 21. März bis 30. Mai 2010 im Schloss Ritzebüttel zu sehen ist...............
Zur Eröffnung am Sonntag, 21. März 2010, um 11.15 Uhr spricht Gebhardt Dietsch (Kulturforum Lüneburg), der das künstlerische Schaffen Korns seit über 20 Jahren beobachtet.
Schloss Ritzebüttel, 21.03. bis 30.05.2010
Wolfgang Korn – Biographie
In Dessau geboren 1949; 1970 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden (Malerei, Grafik, Wandmalerei, Kunst am Bau); seit 1973 intensive Beschäftigung mit der Technik der Monotypie; seit 1975 freischaffend in Dresden lebend, Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR; seit 1978 Arbeiten in öffentlichen Räumen und Gebäuden (Konzeptionelle Arbeit, Glas-Licht-Gebilde, Farbglasfenster, Wandmalereien, teils in Kooperation mit seiner Frau, der Glaskünstlerin Karin Korn), u. a. in:
- Bautzen: Brunnenanlage in der Innenstadt mit Licht-Glas-Stahl-Wassergestaltung
- Dresden: Hofkirche (Altar, Ambo); Auferstehungskirche (kreisförmige Glasfenster);
-Glasstelen am Albertplatz
- Achim-Oyten: Gesamtgestaltung des neuen Katholischen Pfarrzentrums
- Glauchau: Glas-Holzgestaltung für das Kreiskrankenhaus
- Oybin: Glas-Lichtgestaltung in einem Hotel
- Cunewalde: Schulglaswand
- Zaragoza (Spanien): Glasrelief für das Priesterseminar der Stadt;
seit 1975 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Berlin, Bautzen, Bielefeld, Dresden, Erfurt, Hamburg, Ingolstadt, Köln, Konstanz, Lüneburg, Meißen, Neumarkt (Opf.), Norden, Schloß Reinbek, Rosenheim, Solingen, Stade, Lauenburg;
seit 1990 Mitglied im Sächsischen Künstlerbund und im Baubund Sachsen.
Derzeitiges Ausstellungsthema: Architekturportraits entlang der Elbe
Aktuelle Ausstellungen:
März-April 2008 - Museum für das Fürstentum Lüneburg
Juni-August 2008 – Staatliche Kunstsammlungen; Kunstbibliothek im Schloss Dresden
Juni-August 2008 – Schwedenspeichermuseum Stade
März 2009 – Künstlerhaus Lauenburg
November 2009 bis Februar 2010 – Amtsrichterhaus Schwarzenbek
März bis Mai 2010 – Cuxhaven, Schloss Ritzebüttel
2011 – Schloss Reinbek und Hamburg, Galerie Torhaus Wellingsbüttel
Kontakt: Kulturbüro Dietsch, Lüneburg, 04131-37820 (dietsch@kulturforum-lueneburg.de)
Über Wolfgang Korn:
„Die von Wolfgang Korn angewendete Technik der Monotypie bringt es mit sich, dass farbige Flächen sich überlagern und durchdringen, Dichte und Transparenz gleichzeitig spüren lassen. Aus solchen farbigen Flächen werden für den Betrachter Dinge und Räume, entstehen Bilder von Stadt und Landschaft. Es ist die metaphysische Ausstrahlung mancher Werke der „neuen Sachlichkeit“, die wir in den Blättern von Wolfgang Korn spüren – eine surreale Faszination, die auf andere Art in den Werken eines Carlo Carrá und eines Giorgio des Chirico gelegen hatte. Doch keiner der Vergleiche, die man als Betrachter (und vollends als Kunsthistoriker) ziehen kann, trifft eine wirkliche Abhängigkeit, auch nicht der Hinweis auf die kristallin-prismatischen Formen bei Lyonel Feininger, die aus Stadträumen und Gebäuden durchscheinende Traumwelten machen. Wie bei Feininger, aber anders als bei den Malern der „Neuen Sachlichkeit“, anders als bei den genannten Italienern, bieten die „Bilder“ von Wolfgang Korn keine Möglichkeit der Integration, können den Betrachter nicht aufnehmen, verschließen sich. Gestaffelte Flächen, farbige Phantome, dekorative Zeichen haben wir vor uns, wir wissen, was gemeint ist – und bleiben Betrachter von außen.
Bei aller Zartheit haben diese Blätter Festigkeit und Struktur, sind „gebaut“ und spüren doch Stimmungen nach: Vielleicht auch wären ohne Claude Monet und den Impressionismus als anregende Kunsterlebnisse solche Arbeiten nicht möglich. Die frühen Ansichten der Gare Saint Lazare in Paris, mit ihren modernen Linsen- und Glas-Konstruktionen und dem Dampf der Lokomotiven, aber auch die Bilder von der Kathedrale in Rouen, selbst die späten Seerosenbilder Monets dürften Korn auf seinem eigenen, zugegeben ganz anderen Weg, beeinflusst haben.
Die Technik der Monotypie macht dabei manche noppige und trockene Oberflächenstruktur möglich, die (natürlich pastoser und im Ganzen reliefhafter) die erwähnten Vorbilder charakterisiert. Überhaupt kommt dem Reiz der Oberflächenstrukturen in seinen Blättern für die Wirkung große Bedeutung zu. Blau, Grau und Schwarz sind nicht die einzigen, aber es sind wichtige Farben für den Künstler. Sie wirken bei ihm kühl, in gewisser Weise abstrakt, verallgemeinern und lassen Bedingtheit des heutigen Tages, lassen den Zufall vergessen, der weite Teile tagtäglichen Lebens bestimmt.
„Schöne“ Stille geht von diesen Blättern aus, teilt sich mit; Bildbetrachtung wird zur ästhetischen Meditation. Das Kleine und das Einzelne treten zurück. Das Große und das Allgemeine scheinen auf in der konkreten Form; die fehlende Binnenzeichnung lässt manches wie im Nebel untergehen. So entzieht sich das Abbild dem vergleich mit der Wirklichkeit, kann nie und soll nie „täuschend echt“ und stellvertretend für die Realität stehen.“
Prof. Harald Marx
Ehemaliger Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger Dresden

